Wahrnehmung & Aufmerksamkeit

Artikel, Geschichten und Aufgaben rund ums Thema Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.

Wildnis ohne Zahnbürste?

Blätter der Silberweide (Salix alba)

Blätter von Salix alba [Quelle: http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/501443]

Wir hatten heuer im September das Vergnügen einen Basiskurs – Leben in Natur und Wildnis 1 zu halten. Im Zuge der Vorbereitungen ging es bei mir persönlich ein bisschen drunter und drüber was dazu führte, dass ich in der Hitze des Abfahrts-Gefechts ein paar Dinge zu Hause vergaß.

Zu den vergessenen Dingen gehörte bedauerlicherweise auch meine Zahnbürste. Dieses besondere Ding ist nun eines, von dem mir bis zu jenem Zeitpunkt nicht bewusst klar war in welchem Ausmaß ich davon abhängig bin. Als wir nun die erste Nacht im Camp verbringen sollten begann ich mit dem Gedanken zu spielen vorher doch einfach „noch kurz“ in die nächstgelegene Ortschaft zu fahren um mir eine Zahnbürste zu besorgen. Ich bin richtig nervös geworden wenn ich daran dachte nun eine Woche lang meine Zähne nicht putzen zu können. Da aber sonst keinerlei weitere Besorgungen notwendig waren, fand ich es des Aufwandes doch zu groß das Diesel-Pferd extra für eine kleine Zahnbürste ein paar Kilometer weit zu bemühen.

Da musste ich an ein ehemaliges Geschenk meiner Mutter denken, eine  Naturzahnbürste, Miswak, ein Stück des Zahnbürstenbaumes (Salvadora persica) … dieser war fein säuberlich in Plastik verpackt in einem Asiatischen Supermarkt zu erstehen gewesen.

Nun, ich war schließlich am Wildniscamp und wollte üben mit den Dingen die uns die Natur hier zur Verfügung stellt zu leben. Es musste doch auch bei uns Bäume oder Sträucher geben, die sich als Zahnbürste eignen! So begann mein kleines Wildnisexperiment Zahnbürste.

Das wichtigste war zuallererst KEINE GIFTIGE Pflanze zu verwenden. Weitere Ansprüche an meine Zahnbürste waren dann gute Fasern zum putzen, ein sauberes Mundgefühl, und ein angenehmer Geschmack.

Nach den ersten zwei Testtagen/-nächten hatte ich einen klaren Favoriten…die Weide. Ich schnitt mir dankbar einen kleinen Zweig ab und kaute das Ende zur Putzbürste. Das Mundgefühl war angenehm frisch und sauber, ich mag den Geschmack persönlich gerne, und das Sauberkeitsgefühl im Mund hielt gut an.

Unterschiedliche Weiden-Arten (Gattung Salix) gibt es in unseren Breitengraden häufig. Die Weiden sind getrenntgeschlechtliche Laubhölzer, die oft in der Nähe von Wasser anzutreffen sind. Getrenntgeschlechtlich bedeutet männliche und weibliche Blüten befinden sich an unterschiedlichen Pflanzen. Die verschiedenen Arten haben ähnliche Inhaltsstoffe, welche unter anderem auch der Mundpflege förderlich sein können. Gerbstoffe sorgen dafür, dass Eiweiße miteinander vernetzt werden. Es entstehen also aus den Speiseresten kleine „Lederfleckerln“ die sich dann gut wegputzen lassen. Weiden enthalten auch Entzündungshemmende und Antimikrobiell wirksame Bestandteile.

Bei Verwendung der Weide ist in manchen Fällen auch Vorsicht geboten. Weitläufig ist die Verwendung von Weidenrindentee bekannt dessen Wirkung dem Aspirin ähnelt. Bei Allergie gegen Aspirin (Acetyl-Salicyl-Säure) und in der Schwangerschaft wird von der Benutzung der Weidenrinde und -blätter als Tee abgeraten. Grundsätzlich ist bei allen Pflanzenanwendungen ein altbekanntes Sprichwort zu beherzigen: „Die Dosis macht das Gift“ – jede Substanz kann oberhalb bestimmter Mengen als Gift wirken und unserem Körper schädlich sein.

Vielleicht habt ihr ja Lust aufs Experimentieren bekommen und findet euren eigenen Favoriten. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Falkenflug

falco_tinnunculus

 

Als ich vor ein paar Tagen frühmorgens aus dem Haus ging, sah ich hoch über dem Feld einen Falken flatternd in der Luft stehen. Ich ging weiter und da sah ich über der Hügelkuppe noch zwei, nochmal zwei und siehe da noch einen! So stand ich da und beobachtete fünf Falken, wie sie über die Graskuppe flogen, immer wieder in der Luft stehend und nach Beute spähend. Ich beschloss schnell umzukehren und mein Fernglas zu holen, damit ich sie genauer beobachten konnte. Sie waren noch alle da als ich zurückkam, und so lehnte ich mich an einen Baum und schaute ihnen zu.
Da sah ich, dass einer ein Fasanweibchen angriff, das dort herumspazierte. Dieses wehrte sich und flog den Falken an. Da liefen noch zwei Hasen übers Feld und ich dachte nur – was für ein Morgen! Ich war vollkommen ruhig und schaute konzentriert diesem Schauspiel zu. Irgendwann drehte ich meinen Kopf und wer stand da zwei Bäume weiter (ca. 15 Meter) von mir entfernt? Ein brauner Vierbeiner mit langen Beinen! Er frass seelenruhig die am Boden herumliegenden Äpfel. Ich war so auf die Falken und ihre Flugshow konzentriert, dass ich dabei alles andere um mich herum nicht mehr wahrnahm. Ein richtiger Tunnelblick. Wie kann es sonst sein, dass ein scheuer Vierbeiner so nahe ist und ich ihn nicht bemerke, wie er da hergekommen ist bzw. wie er da seelenruhig frißt. Eulenblick läßt grüßen. Das war eine super Lektion und ein wunderschöner Morgen! Danke den Tieren!

Sonnentau